Cyberspace - Virtuelle Räume erobern die reale Welt
Am Anfang war das Wort Cyberspace ein Ausdruck der technikbegeisterten männlichen Jugend. Heute ist sie produktive Wirklichkeit
Mit dem Siegeszug der Computer, der in der Industrie im Prinzip seit dem Ende der 50er Jahre begann, kam das Wort „Cyber" auf. Es wurde von dem berühmten Informatiker Norbert Wiener gebraucht und bedeutet einfach „Steuerung". In dieser Zeit dachte man, dass Computer hauptsächlich Steuerungsaufgaben übernehmen würden. Das ist eine der Aufgaben, für die die Rechner heute eingesetzt werden. Eine andere wesentliche Aufgabe ist die Vernetzung von Informationen und auch von Menschen. Rechner sind vor allem seit der Internet Revolution im Jahre 1990 ohne Vernetzung kaum noch denkbar. Jeder hat Internet oder doch eine Unterform davon auf seinem Rechner. Durch die Vernetzung der Rechner und den darauf abgespeicherten Systemen sollten, das haben die Pioniere der 60er Jahre prophezeit, auch einmal eine künstliche Intelligenz entstehen. Marvin Minsky hat über die Vernetzung der Informationen und der daraus entstehenden künstlichen Intelligenz viel geschrieben. Unendliche Weiten der Cyberspace. Der Begriff Cyberspace kam parallel mit der Internetrevolution auf. Gemeint ist damit ein virtueller Raum, in dem sich Benutzer aus aller Herren Länder treffen und diskutieren können. Besonders interessant war das für Wissenschaftler. Mit der Entwicklung des Internets ging auch die Entwicklung von Rooms und Newsgroups einher. Viele Aufgaben und Ideen wurden in diesem Paralleluniversum abgehandelt. Man muss sich nicht mehr bei Konferenzen live treffen sondern kann jederzeit mit seinen Fachkollegen über anstehende Probleme diskutieren. Im Usenet so die offizielle Bezeichnung für die Newsgroups wurde über Länder-, Zeit und Sprachgrenzen hinweg diskutiert. Virtuell wurden dann auch persönliche Schranken überwunden. Aus der Beziehung Professor - Student, die ja menschlich fern ist, wurde im Cyberspace eine viel engere Beziehung. Im Cyberspace fallen Schranken weg, alleine durch die englische Sprache ist man sich viel näher. Im Cyberspace zählt nicht das Erreichte, nicht das Geld, nicht der Titel. Vielmehr ist die Sache oder der Inhalt des jeweiligen Raumes oder der jeweiligen Newsgroup interessant. Jeder, der etwas Sinnvolles zu sagen hat, kann sich an der Diskussion beteiligen. Weiterentwicklung: Während in der Anfangsphase des Cyberspace die Verbindung zwischen den einzelnen Menschen immer noch aufwendig und teuer war ein Modem kostete in den 90er Jahren ein Vermögen und war super langsam - so entwickelte sich die Technik und damit die Möglichkeiten des Cyberspace in den darauf folgenden Jahren explosionsartig. Aus der beschränkten Anwendbarkeit des Cyberspace auf die Wissenschaft wurde mit der Zeit eine in der Bevölkerung weit akzeptierte Kommunikationsform. Ein richtiger Boom wurde mit der virtuellen Plattformen Secondlife erreicht. Allgemeine Prinzipien des menschlichen Lebens wie der Kauf von Häusern und Autos wurden auf diese Plattform übertragen. Bezahlt wurde mit richtigem Geld. Für manche Menschen verschwand der Unterschied zwischen realem Leben und virtuellem Leben. Sie gingen in ihrem Avatar regelrecht auf, ein Avatar ist in der Sprache der Cyberspace Bewohner ein künstliches Lebewesen. In der Literatur wurde diese Entwicklung mit dem Film Matrix vorweggenommen. Situation Heute: Der Boom um Second Live ist etwas abgeflaut. Dafür existieren andere Dienste, spezielle Netzwerke wie XING, STUDVIS oder auch Kommunikationsmittel wie Skype oder Twitter. Chatprogramme haben Elemente des SecondLife-Stiles übernommen. Diese Systeme werden jetzt auch in größerem Umfang kommerziell genutzt. Fazit: War der Begriff Cyberspace vor einigen Jahren noch Ausdruck einer technikbegeisterten Jugendwelt, so ist die Vision von damals wahr geworden. Maschinen und Menschen sind miteinander gut vernetzt. Vielleicht wird die Vision der künstlichen Intelligenz durch eine hybride Intelligenz ersetzt. Menschen werden über Rechner so miteinander vernetzt, dass eine Hyperintelligenz entsteht. Im Cyberspace können dann Menschen zusammen an Texten arbeiten, diese Erstellen, Lektorieren und Publizieren.