Hypertext - Überstrukturen im Text

Hypertext ist eine Methode, Verweise inner- oder außerhalb eines Textes einzupflegen. Durch diese Technik wurde eine ganz neue Möglichkeit der Textgestaltung geschaffen.

Wörtlich übersetzt heißt Hypertext Übertext, womit eine Überstruktur in einem Text gemeint ist. Ein Text besteht zunächst einmal aus einem Fließtext, in dem Inhalte oder auch Geschichten erzählt werden. Die einfachste Form einer Hypertextstruktur sind die Fußnoten. Innerhalb des Fließtextes wird auf einen ergänzenden Text verwiesen. Der Leser soll allerdings nicht in seinem Leseverhalten gestört werden, wenn er aber weitere Informationen benötigt, dann kann er in der Fußnote nachschauen. Weitere Beispiele für Hypertexte in klassischen Texten sind das Inhaltsverzeichnis und das Stichwortverzeichnis. In früheren Zeiten war es üblich, dass Studenten Literatur in Bibliotheken in großen Schlagwortverzeichnissen nachschlugen. Die Zeiten der großen Schlagwortverzeichnisse sind vorbei, der Platz in den Büchereien wird nun anders genutzt. Das Prinzip ist aber in der elektronischen Welt erhalten geblieben und weiter ausgebaut worden. Die Entwicklung: Das wissenschaftliche Institut Cern entwickelte in den 80er Jahren eine Textstruktur, HTML und SGML, die es erlaubte, Texte über Schlagwörter zu vernetzen. Das dazugehörige Ansichtsprogramm war der nun vergessene Browser Mosaic. In den Anfangsjahren war Mosaic der Referenzbrowser von Cern. Es folgten Netscape und der Internet Explorer. Bill Gates hielt Browser zunächst für eine triviale Angelegenheit. Das Prinzip:

Das eben beschriebene Prinzip ist erhalten geblieben: Man kann einen Text oder auch ein Bild mit einem Link versehen. Der Anwender kann dann von Link zu Link surfen, wodurch man sich schrittweise über ein Thema schlaumachen kann. Der Link: Der Verweis ist das zentrale Element eines Hypertextes. Im ursprünglichen Sinne zeigt der Link von einem Text zu einem anderen Text. Im erweiterten Sinne können alle Objekte eines Dokumentes miteinander vernetzt werden. Bilder können auf Bilder, Musik auf Musik und Bilder auf andere Segmente verlinkt werden. Gerade letzteres ist eine interessante Eigenschaft: Die Hypertexte bekommen eine andere Qualität, sie werden dynamisch. Während der Benutzung ändern sich angezeigte Inhalte, Objekte, die irgendwo in der Welt liegen, können mit in die Hypertextdokumente einbezogen werden. Durch die Linkvernetzung entsteht ein Netzwerk. Das Netzwerk liegt, wie der Name schon sagt, wie ein Netz über dem ursprünglichen Text. Die Netzstruktur ist wiederum zu vernetzen. Es entstehen Metanetze, die auch mit linguistischen Mitteln durchsucht und verwaltet werden können. Durch solche Strukturen können Wissensquellen neu erschlossen werden. An der Universität Bonn gibt es ein Forschungsprojekt zum automatischen Vernetzen von Informationen zur Krebsbehandlung. Hier werden Veröffentlichungen automatisch miteinander verlinkt. Forscher schauen zunächst an dieser Stelle nach, bevor sie mit der Forschung beginnen. Zu neuen Ideen: Hypertexte sind ein schönes Beispiel dafür, wie aus ursprünglichen Formaten durch Übertragung in eine elektronische Form neue Dinge entstehen. Das wird wohl genauso für das elektronische Buch, als auch für die elektronische Zeitung der Fall sein. Ein elektronisches Buch eröffnet vom Grundsatz her andere Möglichkeiten als das gebundene Buch. Es wird spannend werden zu beobachten, was sich daraus entwickeln wird.