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Foto Maximilian Bochenek
21.02.2018 08:45
von Maximilian Bochenek

Antonio Ligato von der G+L GmbH ist seit über 10 Jahren im deutschen E-Commerce unterwegs. Dabei hat er sich immer wieder neu erfunden. Heute ist er Online-Shop-Betreiber, E-Commerce-Berater, Software-Entwickler und Immobilien-Verwalter in einem – und führt in Köln ein 30 Mitarbeiter starkes Unternehmen. Sein Rat: Nie auf nur ein Pferd setzen.

Antonio LIgato

Zu den interessantesten Sessions auf dem kommenden plentymarkets Online-Händler-Kongress am 3. März in Kassel zählt sicher die Fragestunde mit Antonio Ligato und Andreas Müller, zwei Online-Händlern aus der Frankfurter Gruppe. Ligato ist ein E-Commerce-Chamaeleon: Der Geschäftsführer der G+L GmbH betreibt seit 2007 unter about-tea.de einen eigenen Webshop, hilft aber auch als Berater E-Commerce-Kollegen bei Problemen in der Logistik, beim Online-Marketing oder der Software-Entwicklung für den Shop. Ein Gespräch über Flexibilität und echtes Multichannel-Denken.

Herr Ligato, Sie sind seit über zehn Jahren im Geschäft. Wie hat sich der deutsche E-Commerce in dieser Zeit verändert?

Antonio Ligato: Der E-Commerce ist mittlerweile zu einer tragenden Säule des Handels geworden. Das hat auch die Politik gemerkt, die unsere Branche und die Dienstleisterindustrie, die um sie herum entstanden ist, aufmerksam beobachtet.

Wie wird es weitergehen?

Ligato: Ich denke, der Einzelhandel, wie wir ihn kennen, wird in ein paar Jahren verschwunden sein. Es werden sich ein paar wenige Nischen mit einem Ladenlokal durchsetzen und überleben. Geschäfte werden sich, wenn überhaupt, nur noch in so genannten B-C Lagen niederlassen und bestehen. Die A-Lagen in den Städten werden von Konzernen und Ketten besetzt.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich mit diesen Aussagen nicht nur Freunde machen – zu Ihren Consulting-Kunden gehören ja auch einige stationäre Händler…

Ligato: Der individuelle Einzelfachhändler mit dem Mut und der Kraft, sich entwickeln zu wollen, hat trotzdem eine gute Chance. Der Einstieg in den E-Commerce als zweites Standbein wird ja durch die Hilfe technischer Dienstleister immer leichter. Andererseits werden wir auch im Online-Bereich eine Konsolidierung sehen: Viele Händler, die sich nur über Produktpricing und die Produktlistung auf Amazon definieren, werden sich in den nächsten zwei bis drei Jahren vom Markt verabschieden.

Haben Sie denn in Ihrem eigenen Geschäft dieses Schreckgespenst der Konsolidierung schon zu spüren bekommen?

Ligato: In den letzten Jahren waren Wachstumsraten in Paketmenge und Umsatz in zweistelligen Bereich normal. Mittlerweile legt der E- Commerce so drastisch nur noch im CBT Bereich zu. In 2017 wurde das erste Mal die Paketmenge des Vorjahres unterschritten; gleichzeitig stieg aber der Umsatz um 10 Prozent. Hier spiegelt sich die Erhöhung und auch Verteuerung der allgemeinen Nebenkosten (Versand, Personal etc.) wieder, die ja allesamt in die Artikelpreise mit eingerechnet werden. Das heißt im Umkehrschluss, die Pakete werden weniger, erzeugen aber mehr Umsatz.

Wie werden Sie dieser Entwicklung begegnen?

Ligato: Wir wollen auf neuen Marktplätzen in Europa und international skalieren. Wir rechnen in 2018 mit einem Anstieg des Paketvolumens um 20 Prozent.

Was raten Sie Ihren Kollegen: Wie besteht man in Zeiten der Konsolidierung, abgesehen vom Weg ins Ausland?

Ligato: Da gibt es nur eins: Nische, Nische, Nische. Und sie sollten sich starke und erfahrene Partner suchen, die ihnen helfen, sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Von einem reinen Fokus auf nur einen Vertriebskanal, beispielsweise nur dem Online-Shop oder nur dem Verkauf via Amazon, rate ich aber strikt ab. Eine gute Mischung ist wichtig.

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