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Foto Maximilian Bochenek
06.03.2019 08:45
von Maximilian Bochenek

Kennst du dich schon mit der Geoblocking-Verordnung aus, oder weißt genau, was es mit dem neuen Verpackungsgesetz auf sich hat? Als Online-Händler musst du immer up-to-date sein, nicht nur in Sachen E-Commerce-Trends, sondern auch, was neue Regeln und Verordnungen und damit Risiken betrifft. Denn davon gibt es im Online-Handel mehr als genug. Versicherungsexperte Ralph Günther von exali.de erklärt, welches die häufigsten Risiken im E-Commerce sind und wie sich Online-Händler richtig absichern.

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Risiken im E-Commerce: Rechtsverletzungen & Co

Vielleicht musstest du schon selbst die Erfahrung machen: Im Online-Handel boomt leider das Geschäft mit den Abmahnungen. Die Gründe, für die Händlern Abmahnungen ins Haus flattern können, sind vielfältig: Urheber- oder Markenrechtsverletzungen, Verstöße gegen Datenschutzregeln (DSGVO) oder das Wettbewerbsrecht, Fehler im Impressum oder im Bestellprozess. Abmahnanwälte und Pseudo-Wettbewerber suchen und finden oft kleinste Fehler, die sie abmahnen und für die sie hohe Schadenersatzforderungen verlangen.

Auch wenn sich Online-Händler an alle Regeln halten, können sie schnell ins Visier eines Abmahnanwalts geraten. So war es auch in einem echten Fall aus meiner Berufspraxis: Ein Online-Händler wollte seine Produkte auf einer Verkaufsplattform verkaufen. Diese wirbt damit, dass dort Händler nur als Produktzulieferer auftreten und die Plattform als Verkäufer agiert. Alles sollte ganz einfach sein: Online-Händler sollten ihre Artikel per EAN (Identifikationsnummer) hochladen und risikolos ihre Produkte über die Plattform anbieten können.

Obwohl der Händler aus diesem Fall sich an alle Vorgaben gehalten hatte, flatterte ihm plötzlich eine Abmahnung wegen mehrfacher Urheberrechtsverletzung ins Haus. Der Vorwurf: Er habe 50 Produktfotos ohne Einwilligung des Lizenzinhabers und ohne Nachweis verwendet. Der gegnerische Anwalt forderte in seinem Schreiben Schadenersatz von fast 40.000 Euro! Der eingeschaltete Versicherer konnte die Vorwürfe am Ende glücklicherweise entkräften und der anfangs sehr forsche Abmahnanwalt ließ nichts mehr von sich hören. Die angefallenen Kosten der Prüfung und anschließenden Abwehr der unberechtigten Schadenersatzansprüche hat der Versicherer im Rahmen des Passiven Rechtsschutz übernommen.

Neue Verordnungen: Geoblocking und Verpackungsgesetz

Gerade im E-Commerce-Bereich ist es oft so: Sobald Online-Händler eine Regel umgesetzt haben, kommt schon die nächste auf sie zu. Da den Überblick zu behalten und nichts falsch zu machen, ist kaum möglich. Beispielsweise ist seit dem 3. Dezember vergangenen Jahres die Geoblocking-Verordnung in Kraft. Diese besagt, dass Online-Kunden EU-weit gleich behandelt werden müssen. Das heißt, Online-Händler müssen in der gesamten EU die gleichen Preise, Zahlungs- und Versandbedingungen anbieten. Auch automatische Weiterleitungen auf Länderseiten sind verboten.

Auch das Verpackungsgesetz, das seit 1. Januar in Kraft ist, hält neue Pflichten für Online-Händler parat. Beispielsweise müssen sie sich seitdem bei einer „Zentralen Stelle“ registriert haben. Achtung: Es kann jeder online nachprüfen, ob du bereits registriert bist. Also auch deine Wettbewerber und deren Anwälte!

Cyberkriminelle und ihre kreativen Ideen

Leider bist nicht nur du in deinem E-Commerce-Business kreativ, sondern auch Internetkriminelle lassen sich immer neue Möglichkeiten für ihr „Geschäft“ einfallen. Ob Datenklau, Erpressung oder – der neueste Trend – illegales Krypto-Mining: Wenn Hacker deinen Webshop lahmlegen oder Kundendaten stehlen, kostet dich das nicht nur viel Geld, sondern kann sich auch auf dein Image auswirken. In solch einem Fall kommen gleich zwei Arten von Schäden auf dich zu: Zum einen sogenannte Fremdschäden, also Schäden, die durch beispielsweise Datenklau bei deinem Kunden entstehen, und die dieser dann von dir als Schadenersatz zurückverlangt. Und zum anderen deine eigenen Schäden, beispielsweise dein Umsatzausfall, wenn dein Shop mehrere Tage offline ist. Gerade diese Schäden können schnell existenzbedrohend werden.

eBusiness optimal absichern

Nach all den schlechten kommen jetzt die guten Nachrichten: Mit einer Webshop-Versicherung kannst du dein eBusiness gegen diese Risiken absichern! Diese Checkliste kann dir bei der Wahl einer guten E-Commerce-Versicherung helfen:

  • Schutz bei Rechtsverletzungen: Rechtsverletzungen sollten umfassend versichert sein (zum Beispiel gegen das Urheber-, Marken-, Wettbewerbs-, Lizenz- oder Datenschutzrecht). Denn diese werden im Online-Handel am häufigsten abgemahnt.
  • Internationaler Versicherungsschutz: Da die meisten Online-Händler nicht nur den nationalen Markt bedienen und dadurch Schadenfälle weltweit eintreten können, sollte die Webshop-Versicherung einen weltweiten Schutz bieten.
  • Produkthaftpflicht: Online-Händler haften, wenn durch ihre Produkte Schäden entstehen, auch wenn Sie Produkte nur neu verpacken und mit ihrem Label versehen (sogenannte Quasi-Hersteller). Daher solltest du deine Berufshaftpflicht um eine Produkthaftpflicht, ggf. auch um eine Absicherung für Quasi-Hersteller und Importeure, erweitern können.
  • Eigenschäden: Das Risiko, dass dein Webshop in das Visier von Cyberkriminellen gerät, wird immer größer. Daher sollten Cybereigenschäden wie zum Beispiel ein Ertragsausfall durch eine DDoS-Attacke oder Mal- und Ransomware mitversicherbar sein.
  • Zusatzbausteine: Eine gute Berufshaftpflichtversicherung für Online-Händler kannst du immer individuell auf deine Bedürfnisse anpassen. Beispielsweise durch einen D&O-Zusatzbaustein, welcher die persönliche Haftung als Geschäftsführer absichert, oder eine Vertrauensschadenversicherung, welche Betrugsschäden durch Dritte oder eigene Mitarbeiter übernimmt.

Achte generell darauf, dass du die Berufshaftpflicht auf die Anforderungen deines Business zuschneiden kannst und sie – wie auch dein Business im E-Commerce – mit der Zeit geht und sich an neue Herausforderungen der Branche anpasst.

Über den Autor:

Ralph Günther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen für freie Berufe, Dienstleister und mittelständische Unternehmen der E-Commerce-, Medien-, Consulting- und IT-Branche geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt. Sein Wissen gibt er regelmäßig als Autor in relevanten Fachmedien an seine Zielgruppe weiter.



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